Balkanfahrt 2026: 3.500 Kilometer Hoffnung – Ihr seid nicht vergessen
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24 Menschen, vier Fahrzeuge, vier Länder und rund 3.500 Kilometer: Zehn Tage lang waren wir mit Junge Leute Helfen auf dem Balkan unterwegs. Wir besuchten bedürftige Familien, Armenküchen und langjährige Partner, trafen Studenten, Schwestern, Priester und Mitarbeiter der Caritas und brachten Hilfspakete dorthin, wo sie dringend gebraucht werden. Vor allem aber wollten wir den Menschen zeigen, dass sie nicht vergessen sind – und erlebten dabei selbst, wie viel Hoffnung, Gastfreundschaft und Liebe uns zurückgeschenkt wurde.
Als wir am Donnerstagabend, den 20. August, vor dem Pfarrheim in Kirchanschöring standen, war die Vorfreude groß. Zwei Neunsitzer und zwei weitere Autos mit jeweils fünf Sitzen waren vollgepackt mit Gepäck, Schlafsäcken, Isomatten und allem, was 24 Menschen für zehn Tage unterwegs brauchen würden.
Die meisten von uns waren Schüler und Studenten, dazu kamen einige Erwachsene. Hubert Zeltsperger leitete die Fahrt, Pfarrer Westermaier begleitete uns als Priester.
Vor uns lagen Bosnien und Herzegowina, der Kosovo, Albanien und Montenegro. Unsere Route führte von Kirchanschöring über Sarajevo und Kiseljak nach Zllakuqan und Ferizaj, weiter nach Rrëshen und Laç und schließlich über Shkodër, Bar und Kotor zurück nach Südostbayern.
Viele aus unserer Gruppe kannten sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht besonders gut. Entsprechend viel wurde schon während der ersten Nachtfahrt geredet. In den Autos lief Musik, es wurde geratscht und irgendwann auch ein wenig geschlafen. Gleichzeitig begleitete uns eine gewisse Spannung.
Die meisten von uns kannten die Arbeit von Junge Leute Helfen. Wir hatten Bilder gesehen, Geschichten gehört und wussten ungefähr, welche Projekte uns erwarteten. Aber etwas anderes ist es, selbst vor der Tür einer Familie zu stehen und zu erleben, wie die Lebensrealität der Menschen tatsächlich aussieht.
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Ein sanfter Anfang in Bosnien
Der Einstieg in Bosnien und Herzegowina fiel zunächst überraschend angenehm aus. In Kiseljak waren wir in einem Altenheim untergebracht und bekamen gepflegte Zimmer. Nach der langen Nachtfahrt konnten wir duschen, etwas zur Ruhe kommen und als Gruppe erst einmal richtig ankommen.
Rückblickend war das ein recht sanfter Beginn für Tage, die uns später körperlich und emotional deutlich stärker fordern sollten.
Schon bei den ersten Besuchen lernten wir Familien kennen, die Junge Leute Helfen seit längerer Zeit unterstützt. Bei einer Familie konnten wir beispielsweise ein Gewächshaus sehen, das mit Hilfe von JLH ermöglicht worden war. Was zunächst nach einem vergleichsweise kleinen Projekt klingt, kann für eine Familie einen großen Unterschied machen: Im Gewächshaus können Lebensmittel angebaut werden, die einen Teil der eigenen Versorgung sichern und damit ein Stück Selbstständigkeit ermöglichen.
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Bei anderen Familien gab es keine so einfache oder sichtbare Lösung. Wir hörten von Krankheit, Einsamkeit und schwierigen Lebensumständen und merkten schnell, dass unsere Aufgabe auf dieser Fahrt nicht darin bestehen würde, für jedes Problem eine Antwort zu finden.
Vieles lässt sich nicht mit einem Hilfspaket lösen. Trotzdem macht es einen Unterschied, ob jemand allein mit seiner Situation bleibt oder ob Menschen kommen, zuhören, Interesse zeigen und deutlich machen: Wir kennen euch. Wir denken an euch. Ihr seid nicht vergessen.
Neben den Familienbesuchen verbrachten wir Zeit mit den örtlichen Verantwortlichen der Caritas, lernten ihre Arbeit besser kennen und hatten auch Gelegenheit, Sarajevo zu besuchen und bei einem kleinen Ausflug die Umgebung kennenzulernen.
Gerade die Gespräche mit den Helfern vor Ort waren uns wichtig. Sie sind diejenigen, die das ganze Jahr über bei den Menschen bleiben. Sie kennen die Familien, ihre Geschichten und ihre Bedürfnisse und arbeiten häufig unter Bedingungen, die alles andere als einfach sind.
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Im Kosovo wird aus Theorie Realität
Nach Bosnien führte unsere Reise weiter in den Kosovo. In Zllakuqan waren wir bei Zef untergebracht, einem langjährigen Freund der Aktion.
Unsere Unterkunft war diesmal deutlich rustikaler. Betten gab es keine, sodass Schlafsack und Isomatte endlich zu ihrem eigentlichen Einsatz kamen. Direkt neben unserer Unterkunft lag allerdings ein Schwimmbad, was nach langen und heißen Tagen einen willkommenen Ausgleich bot.
Von Zllakuqan aus fuhren wir nach Ferizaj. Dort erklärten uns die Verantwortlichen der Caritas zunächst ihre Arbeit. Anschließend teilten wir uns in vier kleinere Gruppen auf und machten uns gemeinsam mit Mitarbeitern der Caritas auf den Weg zu verschiedenen Familien.
Eine unserer Gruppen besuchte ein älteres Ehepaar, das weitgehend allein in einem alten, feuchten Haus lebte. Die Frau war sehr krank und bettlägrig. Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld gab es kaum. Solche Begegnungen waren für viele von uns ungewohnt. Zu Hause spricht man schnell über Armut in Zahlen, Spendensummen oder Hilfsprojekten. Vor Ort sitzt man plötzlich einem Menschen gegenüber, dessen Alltag von genau dieser Not bestimmt wird.
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Gerade dabei wurde uns bewusst, wie wichtig die Mitarbeiter der Caritas sind. Sie übersetzten für uns, erklärten Hintergründe und sorgten dafür, dass aus einem kurzen Besuch eine wirkliche Begegnung werden konnte. Manches lief auf Englisch, anderes mit Händen und Füßen – und gelegentlich half sogar ein Übersetzer auf dem Handy weiter.
Ein Vaterunser in zwei Sprachen
Am Ende vieler Familienbesuche entstand während der Fahrt ein besonderes Ritual: Wir beteten gemeinsam das Vaterunser.
Die Familien beteten in ihrer Sprache, wir auf Deutsch. Man verstand die einzelnen Worte des anderen nicht – und trotzdem wusste jeder ganz genau, was gerade gesagt wurde.
Oft folgte danach eine herzliche Umarmung.
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Vielleicht waren es gerade diese stillen Momente, in denen am deutlichsten wurde, was uns trotz völlig unterschiedlicher Lebenswelten miteinander verbindet.
Wir kamen aus Südostbayern, unsere Gastgeber lebten im Kosovo oder in Albanien. Wir sprachen andere Sprachen, waren mit völlig unterschiedlichen Möglichkeiten aufgewachsen und würden wenige Tage später wieder in vollkommen verschiedene Alltage zurückkehren.
Und trotzdem standen wir gemeinsam in einem kleinen Wohnzimmer und beteten dasselbe Gebet.
Für einen Moment spielten Grenzen und Sprachen keine Rolle.
Genau diese Erfahrung blieb auch Sophia K. besonders in Erinnerung:
„Wir haben nicht dieselbe Sprache gesprochen, und doch war der Glaube das, was uns verbunden hat.“
Die Herzlichkeit und Hoffnung der Menschen habe sie tief bewegt – und gleichzeitig neu bewusst gemacht, wie dankbar wir für vieles sein dürfen, das für uns selbstverständlich geworden ist.
In Rrëshen sitzen plötzlich alle am selben Tisch
Besonders intensiv wurden die Tage in Albanien. In Rrëshen besuchten wir eine Armenküche, in der Ordensschwestern täglich Menschen mit einer warmen Mahlzeit versorgen.
Wir halfen zunächst beim Austeilen des Essens und setzten uns anschließend zu den Gästen an die Tische. Schnell entstand eine Art Sprachmix, den wahrscheinlich niemand hätte aufschreiben können: ein bisschen Englisch, ein paar italienische Wörter, gebrochenes Deutsch, Albanisch und sehr viele Gesten.
Und erstaunlicherweise reichte das oft völlig aus.
Es entstanden lustige Situationen, wenn nach mehreren Versuchen endlich klar wurde, was jemand sagen wollte. Gleichzeitig erzählten uns die Menschen von ihrem Alltag und von Lebensgeschichten, die teilweise sehr schwer waren.
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Gerade diese Mischung blieb uns in Erinnerung. Die Menschen waren nicht einfach „die Armen“, die von uns versorgt wurden. Sie hatten Humor, Stolz, Interessen, Erinnerungen und Geschichten. Einige wollten unbedingt wissen, woher wir kamen oder wie alt wir waren. Andere freuten sich einfach darüber, dass sich jemand zu ihnen setzte und Zeit mit ihnen verbrachte.
Für einen Moment gab es kein „wir helfen euch“ und kein „ihr braucht Hilfe“. Da saßen einfach Menschen gemeinsam an einem Tisch.
Ein Lkw aus Deutschland
Während wir in Rrëshen waren, kam schließlich unser Fahrer Goran mit einem Lkw voller Hilfsgüter aus Deutschland an.
Dieser Moment stellte eine ganz direkte Verbindung zu unserer Heimat her. Viele dieser Lebensmittel waren zuvor in Südostbayern gesammelt, sortiert, verpackt und verladen worden. Nun standen wir mehr als tausend Kilometer entfernt und entluden gemeinsam den Lkw.
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Aus den Hilfsgütern stellten wir Pakete für die kommenden Familienbesuche zusammen. Darin waren wichtige Grundnahrungsmittel wie Öl, Mehl und Zucker, dazu einige Süßigkeiten und kleine Spielsachen oder Bälle für die Kinder.
Wenig später lagen diese Pakete in unseren Fahrzeugen und wurden direkt zu den Familien gebracht.
Plötzlich wurde sehr konkret, wohin eine Spende oder ein Hilfspaket aus unserer Heimat tatsächlich gelangt.
Was bei uns im Chiemgau mit einer Spende, einer Sammelaktion oder ein paar Stunden ehrenamtlicher Arbeit beginnt, kommt am Ende bei einem konkreten Menschen an.
Wenn diejenigen, die wenig haben, uns beschenken
Bei den Familienbesuchen in Albanien machten wir immer wieder eine Erfahrung, mit der viele von uns nicht gerechnet hatten:
Wir kamen, um etwas zu bringen – und wurden selbst beschenkt.
Eine ältere Frau lebte beispielsweise gemeinsam mit ihrem schwer pflegebedürftigen Sohn unter sehr schwierigen Bedingungen. Sie war selbst auf Unterstützung angewiesen und hatte in ihrer Familie bereits schwere Schicksalsschläge erlebt. Trotzdem war es ihr wichtig, uns etwas anzubieten.
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Schließlich standen einige Früchte vor uns auf dem Tisch.
Für uns war das vielleicht nur eine kleine Aufmerksamkeit. Für jemanden, der selbst jeden Einkauf genau abwägen muss, bedeutet eine solche Geste deutlich mehr.
Johannes Z. (20) blieb gerade diese Gastfreundschaft besonders im Gedächtnis:
„Egal wie viel der Haushalt zu bieten hatte, es wurde immer das Beste auf den Tisch gebracht, obwohl wir ja eigentlich helfen wollten und gar nicht auf so etwas eingestellt waren.“
Besonders beeindruckten ihn während der Fahrt auch die vielen Mütter. Immer wieder trafen wir Frauen, die trotz schwierigster Lebensumstände versuchten, ihre Familie zusammenzuhalten und ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
Auch Anna R. (16) nahm vor allem die Begegnungen mit den Familien mit nach Hause:
„Jeder hatte seine eigene Geschichte und seine eigenen Herausforderungen, und trotzdem waren alle so herzlich und gastfreundlich. Die Dankbarkeit und die Freude, die man in den Menschen gesehen hat, haben mich sehr bewegt.“
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Felicitas B. (22) beschreibt vielleicht am treffendsten, was viele von uns während dieser Begegnungen gespürt haben:
„Trotz ihrer schwierigen Lebensumstände durfte ich Menschen kennenlernen, die von Hoffnung und Glauben getragen sind, füreinander da sind und mit großer Selbstverständlichkeit teilen. In diesen Begegnungen war spürbar, dass wir im Glauben und in der Liebe Gottes über alle Grenzen hinweg eine große Familie sind.“
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Vielleicht war genau das eines der größten Geschenke dieser Fahrt: zu erleben, dass Freude, Hoffnung und Liebe nicht davon abhängen, wie viel ein Mensch besitzt.
Diese Erfahrungen begleiteten uns durch die gesamte Fahrt. Materiell konnten wir den Familien etwas geben. Gleichzeitig bekamen wir selbst etwas zurück, das sich nur schwer in Zahlen ausdrücken lässt: Gastfreundschaft, Vertrauen und eine neue Dankbarkeit für das eigene Leben.
Manche Tage gingen an die Substanz
Dabei war die Balkanfahrt keineswegs nur eine Sammlung schöner und emotionaler Begegnungen. Einige Tage waren wirklich anstrengend.
Manche Gruppen besuchten fünf oder sechs Familien an einem einzigen Tag. Wir kamen zu sehr alten und kranken Menschen, zu Pflegebedürftigen und zu Familien, die in äußerst einfachen Häusern oder Baracken lebten. Manche Gebäude waren in sehr schlechtem Zustand, gleichzeitig lagen die Temperaturen über Tage hinweg hoch.
Wir waren oft schon nach kurzer Zeit komplett durchgeschwitzt.
Eine Familie lebte beispielsweise unter einfachen ländlichen Bedingungen, besaß aber immerhin zwei Kühe, zwei Schweine, einige Hühner und einen Garten mit Obstbäumen. Der Vater war zu diesem Zeitpunkt mit einer kranken Tochter unterwegs, um nach medizinischer Hilfe zu suchen. Zu Hause waren die Mutter, die Großmutter und zwei Töchter.
Obwohl die Familie keineswegs viel hatte, wurde für uns aufgetischt, als wären wir Ehrengäste. Lokale Speisen, Lebensmittel aus dem eigenen Haushalt und eine Großzügigkeit, die für die Familie selbst einen echten Aufwand bedeutete.
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Auch dort wurde wieder deutlich: Gastfreundschaft hängt nicht davon ab, wie viel jemand besitzt.
Andere Besuche waren deutlich schwerer zu verarbeiten. Manche Lebensgeschichten beschäftigten uns noch lange, nachdem wir die Häuser wieder verlassen hatten. Es gab Momente, in denen jemand aus unserer Gruppe erst einmal einige Minuten brauchte, um das Gehörte zu verarbeiten.
Gerade die langen Fahrten über die teilweise abenteuerlichen Straßen in den albanischen Bergen wurden deshalb zu wichtigen Zeiten für unsere Gruppe. Wir erzählten uns gegenseitig, was die einzelnen Kleingruppen erlebt hatten, verglichen Eindrücke und versuchten gemeinsam, manches einzuordnen.
Zwischen Fußball, Musik und neuen Freundschaften
Gemeinschaft entstand aber nicht nur in den ernsten Momenten.
Maria war schon vor der Fahrt überzeugter Schlagerfan. Viele andere in ihrem Auto waren das zunächst eher weniger.
Über zehn Tage änderten sich die musikalischen Kräfteverhältnisse allerdings erheblich. Irgendwann waren es ausgerechnet die Schlager, bei denen plötzlich das ganze Auto mitsang.
Auch Fußball erwies sich als ziemlich zuverlässige Möglichkeit, Sprachbarrieren zu überwinden. Mit Jungs aus Laç spielten einige aus unserer Gruppe am Abend Fußball. Über die Frage, wer besser ist – Messi oder Ronaldo –, kommt man mit vielen Jugendlichen ohnehin schneller ins Gespräch als über eine komplizierte Vorstellungsrunde.
Und natürlich musste auch geklärt werden, wer auf dem Platz die Nase vorn hat.
Deutschland gewann selbstverständlich, trotz guter albanischer Gegenwehr.
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Hoffnung hat junge Gesichter
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Zeit in Albanien war die Begegnung mit Studenten und jungen Menschen, die Junge Leute Helfen unterstützt.
Viele von ihnen leben oder studieren in Tirana. Ihre Fachrichtungen könnten unterschiedlicher kaum sein: Krankenpflege, Wirtschaft, Fremdsprachen, Design, Data Science und künstliche Intelligenz, Sport oder Medizin.
Einige kommen aus Familien, in denen ein Studium finanziell kaum aus eigener Kraft möglich wäre.
Wir hatten bewusst Zeit für längere Gespräche eingeplant. Uns interessierte nicht nur, was sie studieren, sondern auch, was sie antreibt und was ihnen Hoffnung gibt.
Die Antworten führten erstaunlich oft zu denselben Themen: Familie, Glaube und Menschen, die an sie glauben.
Romario C. erzählte uns beispielsweise, wie wichtig für ihn die langfristige Unterstützung aus Deutschland ist. Dabei sprach er nicht nur über Geld. Gerade die menschliche Verbindung, das Gebet und das Wissen, dass Familien in Deutschland über Jahre Anteil am Leben junger Menschen in Albanien nehmen, seien für ihn wichtig.
Viele junge Albaner sähen für sich nur wenige Perspektiven. Umso bedeutender sei es, Menschen zu haben, die ihnen zeigen, dass eine bessere Zukunft möglich sein kann.
Zoje S. studiert Krankenpflege und möchte sich durch ihr Studium eine Zukunft aufbauen und ihrer Familie helfen. Gjon P. beschäftigt sich mit Data Science und künstlicher Intelligenz und erzählte uns sehr offen, wie viel Kraft ihm sein Glaube gibt. Andere möchten später im medizinischen Bereich arbeiten, Unternehmen gründen, als Designer tätig sein oder selbst Menschen unterstützen, die Hilfe brauchen.
Gerade diese Gespräche machten deutlich, dass Studentenförderung weit mehr bedeutet als die Finanzierung eines Studiums. Es entstehen Beziehungen.
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Unsere Kraftquelle
Nach mehreren Familienbesuchen, großer Hitze, langen Autofahrten und Geschichten, die uns teilweise noch lange beschäftigten, waren die gemeinsamen Gottesdienste eine Möglichkeit, wieder zur Ruhe zu kommen.
Sie erinnerten uns daran, weshalb wir überhaupt unterwegs waren.
Wir wollten nicht auf den Balkan fahren, weil wir glaubten, innerhalb von zehn Tagen Armut beseitigen zu können.
Wir wollten den Menschen aus unserem Glauben heraus begegnen und ihnen etwas von der Liebe schenken, die wir selbst erfahren haben.
Gerade bei schwierigen Besuchen kam uns immer wieder das Wort Jesu in den Sinn:
„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40)
Manchmal bekommt dieser Satz eine andere Bedeutung, wenn er nicht nur auf einer Karte oder in einer Kirche steht, sondern wenn man wenige Minuten zuvor bei einem Menschen im Wohnzimmer gesessen hat, dessen Lebensbedingungen mit unserem eigenen Alltag kaum vergleichbar sind.
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Gleichzeitig mussten wir uns mit der Begrenztheit unserer Hilfe auseinandersetzen.
Unsere Pakete reichen nicht für alle.
Unsere Zeit vor Ort ist kurz.
Die Not ist größer als unsere Möglichkeiten.
Dabei begleitete uns immer wieder die Geschichte der Brotvermehrung. Die Jünger konnten den vielen Menschen aus eigener Kraft nicht genug geben. Sie brachten nur das Wenige, das vorhanden war – und vertrauten darauf, dass Gott daraus mehr machen kann.
Genau darin fanden wir ein Bild für unsere eigene Arbeit.
Wir können das Wenige geben, das uns möglich ist. Ein Paket. Eine Spende. Ein paar Stunden unserer Zeit. Einen Besuch. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott aus diesen kleinen Gaben mehr entstehen lassen kann, als wir selbst überblicken.
Vom Familienbesuch zur Abschiedsfeier
Neben den vielen Besuchen blieb auch Zeit für gemeinsame Erlebnisse mit den jungen Albanern.
Wir fuhren ans Meer, waren mit zwei Booten unterwegs und machten eine Tour durch ein Seerosenfeld. Es wurde gebadet, Fußball gespielt, geredet und gelacht.
Bei unserer Abschiedsfeier in Albanien tanzten wir trotz eines anstrengenden Tagesprogramms schließlich gemeinsam bis Mitternacht.
Nach mehreren Tagen waren aus Menschen, die zu Beginn nur wenige Worte miteinander gewechselt hatten, Freunde geworden.
Ähnliches geschah innerhalb unserer eigenen Gruppe. Zehn Tage in vier Fahrzeugen, viele gemeinsame Mahlzeiten, tägliche Gottesdienste, lange Fahrten und intensive Begegnungen schaffen zwangsläufig Nähe.
Johannes Z. beschreibt auch das als eine seiner wichtigsten Erfahrungen:
„Die Gemeinschaft innerhalb der Gruppe war sehr gut. In zehn Tagen hat man sehr viel Zeit, sich besser kennenzulernen und Freundschaften zu vertiefen.“
Aus 24 Menschen, die am ersten Abend mit Spannung in Kirchanschöring losgefahren waren, war unterwegs eine Gemeinschaft geworden.
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Über Shkodër nach Montenegro
Die letzten Tage führten uns zunächst nach Shkodër.
Auch die Caritas dort nahm sich Zeit für uns. Wir besuchten erneut bedürftige Familien und bekamen außerdem Einblicke in die Geschichte der katholischen Kirche Albaniens, die über lange Zeit von Verfolgung und zahlreichen Glaubenszeugen geprägt war.
Anschließend ging es weiter nach Montenegro.
In Kotor besichtigten wir die Altstadt, feierten gemeinsam die Heilige Messe und waren zum Mittagessen beim Bischof eingeladen. Am folgenden Tag lernten wir eine örtliche Armenküche kennen, deren Mitarbeiter uns von den Menschen erzählten, die dort regelmäßig versorgt werden.
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Damit begegnete uns am Ende unserer Fahrt noch einmal genau das, was uns bereits seit Bosnien begleitet hatte:
Menschen, die vor Ort bleiben und jeden Tag versuchen, mit begrenzten Mitteln anderen zu helfen.
Was nach 3.500 Kilometern bleibt
Am 30. August machten wir uns schließlich auf den langen Weg zurück nach Kirchanschöring.
Rund dreieinhalb Stunden Wartezeit an einer Grenze sorgten dafür, dass wir noch etwas mehr gemeinsame Zeit bekamen, als uns vielleicht lieb war. Irgendwann kamen unsere vier Fahrzeuge aber wieder in Südostbayern an.
Wir waren müde, unsere Kleidung hatte bessere Tage gesehen und aus einer Gruppe, in der sich manche zehn Tage zuvor kaum gekannt hatten, war eine enge Gemeinschaft geworden.
Vor allem kamen wir mit einer großen Dankbarkeit nach Hause.
Viele Dinge, die für uns selbstverständlich wirken – eine sichere Wohnung, medizinische Versorgung, Bildung oder schlicht die Möglichkeit, jeden Tag genug zu essen – sind für andere Menschen keineswegs selbstverständlich.
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Gleichzeitig wollten wir nicht mit dem Gefühl zurückkommen, nur viel Leid gesehen zu haben.
Dafür hatten wir zu viel anderes erlebt.
Wir hatten starke Mütter getroffen, hoffnungsvolle Studenten, engagierte Mitarbeiter der Caritas, Schwestern und Priester, die seit Jahren für andere da sind. Wir hatten Familien erlebt, die trotz ihrer eigenen Sorgen mit uns lachten, ihr Essen mit uns teilten und gemeinsam mit uns beteten.
Wir hatten gesehen, wie groß Gastfreundschaft sein kann, gerade dort, wo materiell nur wenig vorhanden ist.
Und wir hatten erlebt, dass ein Hilfspaket zwar wichtig ist – aber dass Hilfe noch viel weiter gehen kann.
„Ihr seid nicht vergessen“
Vielleicht fasst kein anderer Satz unsere Balkanfahrt besser zusammen:
Ihr seid nicht vergessen.
Unsere Aufgabe war nicht, innerhalb von zehn Tagen die Armut in vier Ländern zu beseitigen.
Unsere Aufgabe war auch, diejenigen zu stärken, die das ganze Jahr vor Ort bleiben: die Schwestern, Mitarbeiter der Caritas, Priester, Studenten und viele weitere Helfer.
Sie arbeiten in Regionen, in denen Armut, fehlende Perspektiven und schwierige gesellschaftliche Bedingungen zum Alltag gehören. Auch sie können müde werden. Auch sie brauchen die Erfahrung, dass jemand ihre Arbeit sieht und hinter ihnen steht.
Und den Familien, die wir besuchen, möchten wir zeigen, dass irgendwo mehr als tausend Kilometer entfernt Menschen an sie denken.
Menschen im Chiemgau.
In Südostbayern.
Menschen, die Lebensmittel sammeln, Hilfspakete packen, Geld spenden, für sie beten oder selbst in eines unserer Fahrzeuge steigen und sich auf den Weg machen.
Genau daraus entsteht Junge Leute Helfen.
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Aus vielen einzelnen Menschen, die gemeinsam sagen: Das ist auch unser Anliegen. Diese Menschen sind uns nicht egal.
Aus einem Paket wird ein Familienbesuch.
Aus einem Hilfsprojekt wird eine langjährige Partnerschaft.
Und aus vielen kleinen Beiträgen entsteht eine Verbindung zwischen unserer Heimat und den Menschen auf dem Balkan.
Junge Leute Helfen ist unser gemeinsames Hilfsprojekt aus Südostbayern.
Eine Gemeinschaft von Menschen, die Hoffnung weitergeben möchte.
Denn unsere Länder, Sprachen und Lebensrealitäten mögen unterschiedlich sein. Was uns miteinander verbindet, ist größer als diese Unterschiede.
Es ist die Liebe.
Und genau davon wollen wir auch in Zukunft ein Stück aus unserer Heimat auf den Balkan tragen.
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Hilf mit, diese Verbindung weiterzutragen
Die Balkanfahrt dauerte zehn Tage. Die Hilfe vor Ort wird das ganze Jahr gebraucht.
Mit Spenden, Hilfsgütern, Gebet und persönlichem Einsatz unterstützt Junge Leute Helfen bedürftige Familien und langjährige Partner in Südosteuropa.
Jeder Beitrag hilft dabei, den Menschen auch in Zukunft sagen zu können: Wir sehen euch. Wir denken an euch. Ihr seid nicht vergessen.
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Unser Junge Leute Helfen Motto: Schenk lieber die Angel, als den Fisch.

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